Ja und Nein

Hallo zusammen,

heute werden wir uns mit einem neuen Thema beschäftigen. Es geht darum, wie wir auf Angebote und Vorschläge der Außenwelt reagieren. Ich stelle euch eine Geschichte, ein Video und meine Kommentare dazu vor.

Ich möchte gern euch eine Geschichte aus meinem Leben erzählen. Ich war vor mehreren Jahren zum Besuch bei einem guten Freund und seiner Frau. Sie hat mir vorgeschlagen bei ihnen zu essen. Es gab schon etwas Fertiges, aber sie hat mir angeboten, mein Lieblingsgericht zu machen. Ich wusste, dass die Speise etwas kompliziert ist und das Garen eine Weile dauern würde. Obwohl ich das Gericht sehr mag, habe ich gesagt, dass ich etwas, was schon fertig ist, essen will. Als ich mir vorgestellt habe, wie sie sich meinetwegen in der Küche anstrengt, habe ich mich entschieden darauf zu verzichten, um keine Umstände zu bereiten.
Sie hat wahrscheinlich meine kurze Unentschlossenheit bemerkt und nochmal gefragt, ob sie vielleicht doch mir mein Lieblingsgericht machen kann. Sie hat gesagt, es würde ihr eine Freude machen und keine Mühe. Dann habe ich zugesagt.

In diesem Moment habe ich etwas Wichtiges verstanden. Erstens, ich habe anscheinend einen Minderwertigkeitskomplex und zweitens, wenn mir jemand, etwas anbietet, dann wird es nicht immer aus purer Höflichkeit oder in der Erwartung einer Gegenleistung getan.

Normalerweise, wenn ich selbst jemandem etwas anbiete, habe ich darüber nachgedacht und bin für „Ja“ und „Nein“ bereit. Aus welchem Grund habe ich dann gedacht, dass bei anderen Menschen das auf eine andere Weise läuft?
Und, wenn sie das nur aus Höflichkeit angeboten haben, in der Hoffnung, dass ich das ablehne, dann machen sie das diesmal (oder auch nicht) und nächstes Mal werden keinen Vorschlag machen. Beide Seiten sind im Plus, ich – habe etwas gekriegt, sie haben etwas gelernt.

Jetzt sehe ich das als eine Anerkennung mich als Person. Wenn mir jemand etwas anbietet, erstmal bin ich auch würdig das zu bekommen. Dann kann ich entscheiden, ob ich das annehme oder nicht. Und, wenn ich das Angebot ablehne, dann nicht, weil ich mich und meine Zeit als weniger wertvoll erachte, sondern, weil es jetzt nicht passt oder ich das nicht will.

Ich sehe das jetzt auch von einer anderen Perspektive. Ich muss keinem etwas anbieten oder versprechen, wenn ich das nicht durchziehen kann/will. Wenn ich will, dass mein Gesprächspartner auf mein Angebot positiv antwortet, dann formuliere ich das auch anders. Z. B. anstatt: „Hast du Lust vorbeizukommen?“, sage ich entweder, „Ich würde mich sehr freuen, wenn du vorbeikommst!“, oder „Ich bin heute etwas müde und möchte gern allein den Abend verbringen.“ In diesem Fall beuge ich Missverständnisse vor, dass mein Gegenüber mich nicht richtig versteht. Ich sage ihm direkt, was ich gern möchte. Manchmal wird hier auch diplomatisches Geschick gebraucht.

Manchmal können wir einfach ein „Nein“ nicht akzeptieren oder unsere Erwartungen unerfüllt hinnehmen. Das ist schmerzhaft und macht uns unglücklich. Aber wäre es doch nicht schön, wenn jeder von uns um etwas bitten, etwas annehmen oder zu etwas einladen könnte und genauso etwas ablehnen, eine Meinung sagen und eigene Grenzen schützen? Und das alles ohne Angst, Schuldgefühle und Gesichtsverlust. Dafür sollen aber, nach meiner Meinung, die Antworten „Ja“ und „Nein“ für unseren Verstand gleichwertig werden. Dadurch können wir freier, ehrlicher, selbstbewusster und gesunder werden.

Dazu ein lustiges Video von Ladykracher:

Euer Roman

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Über Roman Mendelev

vom Konflikt über Diplomatie zum Frieden
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