Wie lerne ich zu lieben

Hallo zusammen,
ich habe diese Woche einige Fragen zu meinem letzten Bericht „Sprache der Liebe“ bekommen und möchte gern darauf eingehen und versuchen die zu beantworten. Es geht um fehlende Liebe, schlecht laufende Beziehungen, Einsamkeit und was man dagegen tun kann. Ich stelle euch zwei interessante Videos, eine schöne Geschichte, meine Kommentare und Erfahrungen zur Verfügung.

Frage 1.
Ich denke, ich habe niemandem in meinem Leben, den ich lieben könnte und mich liebt auch keiner. Was kann ich tun?

Ich habe in meinem Leben eine Zeit lang ähnliche Gedanken gehabt. Nach meiner Meinung damals gab es niemandem, den mir nah stand. Hier meine ich nicht nur einen Partner, sondern generell Beziehungen mit meiner Umwelt. Alle meine Beziehungen waren, nach meiner Meinung, nicht perfekt, überall hatte ich etwas zu meckern. Und in diesem Satz ist schon der Wurm drin, eher zwei. Der erste ist „nach meiner Meinung“ und der zweite „nicht perfekt“.
Unsere Sicht der Dinge ist oft betrübt und verzerrt, nicht selten spüren wir nicht, wo die Beziehung steht und wie die Menschen uns finden. In diesem Fall kann ich nur empfehlen mit euren Mitmenschen darüber zu reden. Über eine Beziehung zu reden ist nicht so einfach, man macht sich nackig und verwundbar. Es wird euch aber helfen besser einander zu verstehen und euch näher zueinander bringen. Klarheit, Ehrlichkeit und Offenheit in einem Gespräch können Wunder wirken. Welche Menschen wolltet ihr um euch haben? Sollen sie auch ehrlich und offen mit euch sein? Jemand muss damit beginnen…

Oft befürchten wir, dass so ein Gespräch ein Ende der Beziehung bedeuten könnte. Stellt euch bitte die folgenden Fragen: Wie lange habe ich schon diese Beziehung? Wieso sind diese Menschen so lange mit mir zusammen? Warum haben sie unsere Beziehung noch nicht beendet? Und wenn sie immer noch mit mir sind, könnte es sein, dass ich ihnen wichtig bin? Aus welchem Grund sollen sie denn ausgerechnet jetzt die Beziehung beenden?

Häufig haben wir auch eine oder mehrere Vorstellungen, wie die Beziehungen und unsere Mitmenschen aussehen, denken, sich verhalten und handeln sollen. Und, wenn irgendetwas zu unseren Vorstellungen oder Erwartungen nicht passt, dann ist der Mensch fehlerhaft und ihm wird einen Laufpass gegeben oder er wird auf Distanz gehalten. Ich habe schon über Erwartungen und Schubladendenken geschrieben und will mich hier nicht wiederholen. Die Links sind unten.
Ich habe die Meinung, dass es nur ganz, ganz wenige „perfekten“ Menschen gibt, die vollkommen unseren Erwartungen entsprechen. Perfekt machen wir eine Beziehung nur selbst. Dafür aber sollte man etwas tun und der erste Schritt wäre, darüber zu reden. Wie sieht für euch eine gute Beziehung aus? Wie wolltet ihr es, wie sollen die Menschen euch behandeln? Schreibt es auf. Dann fragt auch die anderen, wie möchten sie behandelt werden. Dann wisst ihr, wie es geht. Sagt, was ihr denkt, was ihr fühlt, was ihr wollt und ihr werdet Wunder erleben.

Frage 2.
Ich weiß nicht so richtig, wie ist es denn, jemandem zu lieben. Ich spüre auch fremde Liebe nicht. Was bedeutet eigentlich zu lieben? Ich kann die Liebe in mir nicht fühlen.

Ich hatte mir mal schon diese Frage gestellt. Was ist die Liebe? Wie kann ich dieses Gefühl erfassen oder fühlen, mir genau ansehen? In unsere Familie lebte mehrere Jahre eine liebevolle Katze. Ich denke, die war die erste, von der ich das bedingungslose Lieben gelernt habe. Ich war immer sehr glücklich, mit ihr etwas Zeit verbringen zu können. Auch, wenn ihr Mal einen Hund gehabt habt, dann wisst ihr, wovon ich rede. Seinen Besitzer liebt er über alles. Viele Haustiere wissen schon von Geburt an, was das Wichtigste im Leben ist und können in diesem Bereich gute Lehrer sein.

Frage 3.
Ich suche schon sehr lange, aber finde immer nicht die richtigen Menschen und werde von ihnen nicht wertgeschätzt oder schlecht behandelt. Was tue ich denn falsch?

Ich war auch Mal in so einer Situation. Ich bin so ein Mensch, ich beginne erst Mal die Fehler bei mir selbst zu suchen. Damals habe ich in einem Buch einen interessanten Gedanken gelesen. Der hat mich schon nachdenklich gemacht. Es gab da eine Frage: „Liebe ich mich selbst?“ Wenn die Antwort negativ ausfällt, stellt sich die weitere Frage: „Wieso sollen die anderen Menschen mich besser behandeln, als ich das selbst tue?“ Das war für mich unerwartet und hat mich hart getroffen. Daran ist aber etwas Wahres, wenn wir uns nicht akzeptieren/nicht lieben, spüren die Menschen das auf einer unbewussten Ebene und behandeln uns entsprechend. Da ist etwas, was wir verstehen sollen und eventuell uns ändern. Die Liebe zu sich selbst erhöht die Qualität unsere Beziehungen. Es wäre schön, wenn alle uns einfach so wertschätzen würden, zu uns nett und verständnisvoll wären, aber anscheinend ist es schwer umsetzbar. Links zu den Artikeln über Selbstliebe sind unten.
Es kommt hinzu, dass wir oft sagen: „Die anderen sollen mich akzeptieren, so wie ich bin!“. Dabei vergessen wir manchmal, dass unsere Mitmenschen für sich das auch wollen. Sind wir dazu bereit, den Wunsch aufzugeben, die Menschen ändern zu wollen?
Die Beziehungen sind für die meisten Menschen etwas Tolles und lebensnotwendig. Ich kenne aber viele Menschen, die introvertiert, Einzelgänger oder mehr mit sich selbst beschäftigt sind. Die kommen gut ohne Beziehungen zurecht. Manche spüren aber diesen gesellschaftlichen Druck, dass sie sozial aktiv und kompetent sein sollen. Fragt euch, ob der Wunsch nach einer guten Beziehung wirklich von Innern kommt und nicht von außen, weil „so was alle haben sollen“.
Ich kann nur empfehlen weiter zu suchen. Es gibt so viele nette, tolle, freundliche Menschen in dieser Welt. Sie suchen das Gleiche wie wir…

Eine schöne metaphorische Geschichte zum Thema.

Der kleine Baumwollfaden

Es war einmal ein kleiner Baumwollfaden. Der hatte Angst, dass er, so wie er war, nicht ausreicht: „Für ein Schiffstau bin ich viel zu schwach“, sagte er sich, „und für einen Pullover zu kurz. An andere anzuknüpfen, habe ich viel zu viele Hemmungen. Für eine Stickerei eigne ich mich auch nicht, dazu bin ich zu blass und farblos. Ja, wenn ich aus Lurex wäre, dann könnte ich eine Stola verzieren oder ein Kleid. Aber so! Es reicht nicht! Was kann ich schon? Niemand braucht mich. Niemand mag mich – und ich mich selbst am wenigsten.“ So sprach der kleine Baumwollfaden, legte traurige Musik auf und fühlte sich ganz niedergeschlagen in seinem Selbstmitleid.

Da klopfte ein Klümpchen Wachs an seine Tür und sagte: „Lass dich doch nicht so hängen, du Baumwollfaden. Ich habe da so eine Idee: Wir beide tun uns zusammen. Für eine Osterkerze bist du zwar als Docht zu kurz und ich habe dafür nicht genug Wachs, aber für ein Teelicht reicht es allemal. Es ist doch viel besser, ein kleines Licht anzuzünden, als immer nur über die Dunkelheit zu jammern!“

Da war der kleine Baumwollfaden ganz glücklich, tat sich mit dem Klümpchen Wachs zusammen und sagte: „Nun hat mein Dasein doch einen Sinn.“
Und wer weiß, vielleicht gibt es in der Welt noch mehr kurze Baumwollfäden und kleine Wachsklümpchen, die sich zusammentun könnten, um der Welt zu leuchten?

                                                                                                 Autor ist leider unbekannt

Ich denke, es stimmt nicht, dass uns keiner braucht. Wir sind doch hier in dieser Welt, dann werden wir anscheinend für irgendetwas gebraucht. Möglicherweise haben wir den genauen Grund dafür noch nicht gefunden, aber eins muss es geben, sonst wären wir nicht da. Und, wenn wir schon da sind, können wir uns selbst lieben lernen. Dann, bin ich mir sicher, klappt es auch mit den Mitmenschen.
Guckt euch um, überall sind Menschen, bekannte und unbekannte. Sie sind alle mögliche Kandidaten für einen tollen Zeitgenossen. Sie sind potenzielle liebende Verwandten, tolle Freunde, gute Bekannten, hilfsbereite Kollegen und nette Nachbarn. Vielleicht sehen wir einfach diese Menschen noch nicht in dieser Rolle? Möglicherweise haben wir die noch nicht richtig kennengelernt?

Erwartungen

Schubladendenken

Selbstliebe

Selbstliebe 2

Euer Roman

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Über Roman Mendelev

vom Konflikt über Diplomatie zum Frieden
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