Meine größte Angst

Hallo zusammen,

heute möchte ich gern über ein Thema sprechen, das nicht so einfach, aber sehr hilfreich und interessant sein kann. Es geht um Angst und wie man damit fertig wird. Dazu kommen ein schönes Video, meine Erfahrungen und Kommentare.

Gestern habe ich ein sehr nettes und interessantes Gespräch mit einer neuen Bekanntschaft und Kollegin, die sich viel mit den Themen Selbsterfahrung und Selbstentwicklung beschäftigt. Sie hat mir eine Frage gestellt. Die lautet: Was ist deine größte Angst?

Ich habe mich schon früher mit dem Thema auseinandergesetzt und viele meine bewussten und unbewussten Ängste auf die Oberfläche befördert und bearbeitet. In der Liste waren Ängste vorm Tod, vor Ablehnung, Zukunft, Verantwortung, Unglück, Chaos, Schwäche, Verlust und viele andere. Aber ich habe daraus noch kein Ranking erstellt. Ich fand die Frage toll, weil ich mich dadurch selbst besser verstehen oder eventuell auf etwas ganz Neues stoßen werde.

Ich weiß schon seit einer Weile, dass ich ein Problem mit meiner Emotionalität habe. Das bedeutet, ich lasse meine Gefühle und Emotionen sehr selten raus. Zu Hause, wenn ich allein bin, habe ich damit kein großes Problem. Dafür habe ich schon mehrere Methoden. Ich habe aber Angst die in der Öffentlichkeit zu zeigen. Ich versuche mich stets ruhig zu verhalten, sozial zu sein und gehe selten in die Konflikte herein. Ich befürchte, dass ein Konflikt eskaliert und dann werde ich von meinen Gefühlen überwältigt und beginne zu schreien oder sogar zu schlagen oder breche in Tränen aus.

Das ist noch nicht in meinem erwachsenen Leben passiert, aber in meiner Kindheit schon. Ich denke, das ist meine größte Angst – vor Menschen zu weinen. Ich vermute, ich habe Angst dieses Chaos in meiner Gefühlswelt unkontrolliert nach außen zu bringen. Genauso befürchte ich, dass ich dadurch meine Verwundbarkeit und Schwäche zeigen werde und die anderen das und mich ablehnen werden. Es wäre eine große Schande für mich und ich würde schämend in ein Loch kriechen und da allein sterben.

Anhand dieser Erklärung kann man sehen, wie eine Situation aus der Kindheit das Leben eines Erwachsenen Menschen beeinträchtigen kann. In meiner Kindheit wurde mir oft gesagt, dass die echten Männer nicht weinen und keine Schwäche zeigen dürfen, sonst werden sie nicht geliebt und respektiert. Bis heute hält mich diese Aussage unbewusst in Schach. Dazu kommen einige Situationen aus der Kindheit, in denen mir sehr nah stehender Mensch seine Emotionen und Gefühle zeigte und wurde von vielen dafür verpönt und abgelehnt. Dadurch habe ich eine Entscheidung für mein Leben getroffen mich nie so zu verhalten.

Andererseits sagen viele zu mir, dass ich cool und distanziert bin, dass sie mich schwer einschätzen können und kein menschliches Interesse in meinen Augen sehen. Obwohl ich sozial kompetent und nett bin, spüren die Menschen mich nicht so richtig, als ob ich sie auf Abstand halten würde. Das ist mein Preis dafür, dass ich meine Gefühle zurückhalte.

Was meint ihr dazu? Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr auch solche Bekannten?

Ich denke, es gibt mehrere Möglichkeiten etwas dagegen zu unternehmen. Hier ist eine kleine Stütze, um sich selbst, eigene Ängste und Wünsche besser zu verstehen:

1) Angst soll bewusstwerden, mit den Worten beschrieben werden. (Ja, die existiert.)
2) Die soll als Teil der Persönlichkeit angenommen werden. (Ja, ich habe diese Angst und die gehört fürs Erste zu mir). Was gibt es gutes, positives daran?
3) Die Angst ist aus irgendeinem Grund da. Aus welchem? Wovor schützt die mich?
4) Stört die mich wirklich? Möchte ich dagegen etwas unternehmen? Wenn „Ja“, dann…
5) Kann ich allein damit fertig werden? Brauche ich professionelle Hilfe?
6) Informationen sammeln, Gespräche führen, sich für etwas entscheiden.
7) Loslegen.

Was mich angeht, versuche ich zuerst etwas Komisches, Lustiges in der Situation zu finden, ironisiere und lache erstmal eine Weile über mich selbst und meine Angst. Es hilft schon, um den darauf liegenden Druck abzubauen. Dann stelle ich mich auf die Probe und gehe in diese beängstigende Situation herein. Dann versuche ich bis zum Ende drin zu bleiben und nehme wahr, was um herum passiert. Meistens stelle ich fest, dass es nichts Schlimmes geschieht und ich bin noch am Leben. Damit beginnt bei mir der Heilungsprozess.

Hier ist noch ein schönes Video:

Am Ende habe ich doch eine Frage an euch:

„Was ist eure größte Angst?“

Euer Roman

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Über Roman Mendelev

vom Konflikt über Diplomatie zum Frieden
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2 Responses to Meine größte Angst

  1. Yvonne Schulz sagt:

    Hallo Roman,
    vielen Dank für diese Offenheit. Es gibt viel, wovor ich Angst habe. Zusammengefasst ist es das Gefühl von Machtlosigkeit in einer Situation. Bisher ist Wut mein Begleiter, doch versuche ich es in Mut zu verwandeln. Sanftmut konnte ich entdecken, denn ein Nein muss nicht heftig sein. Alles Gute auf deinem Weg. Viele Grüße Yvonne

    • Vielen Dank für nette Worte und diesen Kommentar! Ja, es ist richtig, dass es aus Angst und Ohnmacht Wut entstehen kann. Ich finde deinen Gedanken über die Verwandlung toll: „Aus Wut wird Mut!“ Danke und Gruß! Roman

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