Kränkung und ihre Folgen

Hallo zusammen,

heute möchte ich über ein komplexes und unangenehmes Thema reden. Es geht um Kränkung. Wir werden uns mit ihren Gründen, Ursprung und Bestandteilen beschäftigen. Wir versuchen uns selbst besser zu verstehen und am Ende schauen, ob wir diese Verhaltensweise weiter behalten wollen oder nicht. Dazu kommen ein schönes Video und eine Methode.

Wir beginnen mit Definition und schauen, was genau eine Kränkung ist. Es ist eine Verletzung (kann real oder vermeintlich sein) eines Menschen in seiner Ehre, Würde, seinen Gefühlen oder seiner Selbstachtung. Die ist sozusagen eine Verwundung der seelisch-psychischen Integrität.

Was könnte zu einer Kränkung führen?
Bei jedem Einzelnen kann es etwas anderes sein. Die oft vorkommenden Ursachen sind: Liebesentzug, Zurückweisung, Nichtbeachtung, Entwertung, Beleidigung, Bloßstellung, Ablehnung, aggressives Verhalten, Fehlendes Taktgefühl und viele andere.

Nach meiner Meinung, eine Kränkung ist eine Kombination von einem passiven, nicht ausgedrückten Widerstand, Ablehnung, Zorn und Trauer. Eine Kränkung passiert, wenn ein Mensch sich ärgert und gleichzeitig verbietet sich diese Emotion. Das Weinen ist ein Ausdruck von Trauer, das wird meistens auch nicht gelebt, sondern unterdrückt. Eine Verletzung ist immer mit einem Schmerz verbunden und dagegen protestieren wir (zumindest innerlich). In diesem Moment lehnen wir die uns kränkende Person ab.

Oft spielen auch andere Emotionen dabei eine Rolle, zum Beispiel Liebe. Die stärksten Verletzungen erfahren wir von den Personen, die uns nah stehen und eigentlich wollten wir davor eine gute Beziehung mit ihnen haben. Oder auch Scham und Schuldgefühle für das eigene Verhalten, denn wir so viel Vertrauen entgegengebracht haben.

Wir beschäftigen uns heute aber nur mit zwei Emotionen aus dieser Reihe: Wut oder Zorn und Trauer. In der Kindheit lernen wir, dass diese Emotionen den Erwachsenen nicht gefallen und werden oft in ihnen unterbrochen. Unsere Eltern durften die auch nicht ausdrücken und fühlten sich bei unseren Gefühlsausbrüchen unwohl, weil diese Emotionen sie an ihren unterdrückten Schmerz, Leid, Kränkungen und unangenehme Erfahrungen erinnern.

Kinder verstehen schnell, dass sie lieber diese Emotionen unterdrücken sollen, aber sich beleidigt fühlen oder auch Groll sind erlaubt und auch irgendwie in der Gesellschaft akzeptiert. Die eine Möglichkeit, etwas Dampf abzulassen, zumindest Wut und Trauer zu zeigen, ist mit jemandem anderen darüber zu sprechen. Die Menschen suchen sich Aufmerksamkeit, ein offenes Ohr und so verschaffen sich zumindest eine kurzfristige Entlastung. Dieses Verhalten festigt sich und wird irgendwann Mal zur Gewohnheit.

Wofür brauchen wir Wut und Trauer?
Die Wut zeigt den anderen Menschen meine Grenzen. Die anderen wollen einen Kontakt mit mir, die wollen mich spüren und austesten: Was ist er für ein Mensch? Kann ich ihn einschätzen? Ist er ungefährlich? Kann ich ihm vertrauen? usw. Sie werden mich prüfen, bis sie die Infos haben. Die bekommen sie nur, wenn sie meine Emotionen, mein Verhalten, meine Taten sehen. Wenn ich alles verstecke und den Kontakt meide, versuchen das immer und immer weiter.
Die Trauer sagt den anderen: Ich brauche Unterstützung! Tröste mich!
Mir selbst sagt sie: Ich brauche eine Pause. Ich soll wieder Energie auftanken. Ich muss nachdenken, vielleicht etwas akzeptieren oder verändern. Es ist oft ein Reifungsprozess, um sich weiterzuentwickeln.

Wenn wir uns gekränkt/beleidigt fühlen, wollen wir, dass dem Kränkenden sein Verhalten bewusst wird und er das korrigiert, im besten Fall sich entschuldigt. Wir wollen das und zeigen (nicht sagen) diese Person, dass wir beleidigt sind. In diesem Moment werden wir wieder kleine Kinder und schmollen. Unsere Eltern würden es eventuell noch verstehen, aber wenn wir schon Erwachsen sind und mit anderen Erwachsenen zu tun haben, dann wird es uns eher selten helfen. Die anderen können unsere Mimik schon lesen und verstehen, dass etwas nicht stimmt und der Konflikt kann sich noch weiter eskalieren.

Kränkung kann zu starkem Stress führen, der auch krank machen kann. Starke Kränkungssituationen können unter anderem Psychosomatik, Depressionen, Angststörungen, Burnout usw. begünstigen. Kränkungen können Menschen auch zur vollen Verbitterung und Resignation führen.

Wenn wir das nicht wollen, können wir beginnen mit unseren Bedürfnissen zu arbeiten. Wir können lernen um Hilfe und Aufmerksamkeit zu bitten, zu protestieren, zu fordern, sprich eigene Bedürfnisse und Emotionen zu kommunizieren. Ganz wichtig ist hier: Wir sollen das alles der Person mitteilen, mit der wir einen Konflikt, Missverständnis oder Spannung haben. Nur dann lösen wir die Situation wirklich und spüren eine Erleichterung. Das Besprechen, Meckern und Lästern mit den anderen hilft nur kurzfristig und löst keine Spannungen.
Wir müssen auch nicht jedes „Geschenk“ annehmen und nicht auf jeden Zug aufspringen.

Ich habe für euch einige Fragen vorbereitet, um sich selbst bei einer Kränkung besser zu verstehen.

Was denke ich über die Situation?
Worauf bin ich wütend / sauer?
Was genau erzeugt diese Trauer in mir? / Was macht mich traurig?
Welche Emotionen / Gefühle stehen können da noch sein?
(Angst, Neid, Eifersucht, Scham, Schuldgefühl, Liebe, Hass, Rachsucht, Schmerz)
Was will ich in dieser Situation?
Welche Bedürfnisse stehen dahinter?
Was unternehme ich jetzt?
(Spreche mit der Person, meide sie, kämpfe, lasse los oder lasse den Konflikt eskalieren, lege alles auf Eis usw.)
Was brauche ich dafür?
Wer kann mir dabei helfen?

Es gibt noch eine Möglichkeit mit der Kränkung fertig zu werden: zu verzeihen.
Das ist eine große Gabe und gleichzeitig Herausforderung und ist nicht für alle passend / anwendbar.

Ich möchte euch noch eine kurze Geschichte über Kränkung und Groll vorstellen.

Ein alter Lehrer bat seine Schüler, in die nächste Stunde einen Sack und einen Sack Kartoffeln mitzubringen.
Für jeden Menschen, dem sie etwas nicht verzeihen wollten, das er ihnen in ihrem Leben angetan hatte, sollten die Schüler eine möglichst große Kartoffel auswählen, auf diese dessen Namen schreiben und die Kartoffel in den Sack legen.
Nun sollten sie diesen Sack Kartoffel eine Woche lang mit sich herumtragen, d.h. überall dahin mitnehmen, wo sie hingingen. Die Kartoffel haben auch begonnen zu faulen und zu stinken. Dies machte den Schülern klar, welche Last man mit sich herumträgt, wie belastend es ist, an Kränkungen und Groll festzuhalten.

Die schlimmen Verletzungen und Kränkungen, die wir nicht loslassen oder bearbeiten, lähmen uns, vergiften unser seelisches Wohlbefinden und hindern uns an unserer Weiterentwicklung und an glücklichen seelischen Entfaltung.

Euer Roman

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Über Roman Mendelev

vom Konflikt über Diplomatie zum Frieden
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2 Antworten zu Kränkung und ihre Folgen

  1. Gudrun Spener sagt:

    Hallo, eine sehr anschauliche Geschichte mit den faulenden Kartoffeln, auch zum Thema „nachtragend sein“. Erstaunlich, diese Seite, und ich werde noch viele deiner Kommentare lesen und in mich einfließen lassen. Sie tun mir gut in meiner konfliktreichen Zeit. Ein herzliches Dankeschön für das Mit-Teilen deiner Themen

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