Bin ich objektiv?

Hallo zusammen,

heute möchte ich gern über zwei Gründe für die Konflikte in unserer Welt reden.
Es wird um Objektivität und Rechthaberei gehen. Die Themen sind nicht ganz einfach, aber sehr wichtig, um uns selbst und die anderen zu verstehen. Dazu kommen zwei Videos und meine Kommentare.

Ihr kennt bestimmt die bekannte Frage „Willst du glücklich sein oder Recht haben?“  Dieses Zitat von Marshall Rosenberg ist eine der Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation. Hier habe ich schon darüber geschrieben. Es ist schon oft so, dass die fehlende Objektivität und das Bestehen auf eigener Meinung zu Konflikten, Problemen oder zu Beziehungskrisen führt. Jetzt versuchen wir das Thema etwas näher zu kommen. Zum Anfang biete ich euch einen kurzen, lustigen Animationsfilm an.

Ich versuche ganz von vorne anzufangen, damit mein Gedanke leichter verstanden werden kann. Die große Frage dabei, die wir uns hier stellen sollen, ist: „Kann überhaupt jemand im Falle einer Meinungsverschiedenheit Recht haben oder sich irren?“

Ich denke jeder kennt die Geschichte von einem Elefant und fünf blinden Gelehrten.
Wenn jemand die Geschichte nicht kennt, hier ist sie. Ob wir das auf unser Leben übertragen können oder nicht, entscheidet jeder selbstverständlich für sich selbst.

Täglich wird in der Welt etwas Neues entdeckt, was die alten Gesetzte über den Haufen wirft. Mehrmals pro Tag müssen wir feststellen, dass was wir für fest und richtig gehalten haben, nicht mehr stimmt. Es kursieren in der Welt auch sehr viele falsche Informationen. Eine Menge von dem, was uns als gut, erfolgreich und anwendbar verkauft wird, funktioniert für uns nicht. Wir stellen jeden Tag fest, dass unsere Pläne, Maßnahmen, Gesetze, Weisheiten für die neuen Situationen nicht hinhauen.

Gibt es dann die objektive Realität im Allgemeinen?
Ich habe die Meinung (die ist auch keine objektive Realität), dass die Wirklichkeit immer mehr Menschen im Erkenntnisprozess offenbart wird. Vielleicht existiert die objektive Realität, aber wir wissen einfach nicht alles darüber und werden es wahrscheinlich nie. Ich glaube, wenn sogar die ganze Menschheit von allen Epochen ihr ganzes Wissen zusammentragen wird, wird es leider auch nicht die ganze objektive Realität reichen.

Viele philosophische, religiöse und psychologische Tendenzen halten an der Position fest, dass es nur die subjektive Wirklichkeit jedes Individuums gibt. Einfach ausgedrückt bedeutet dies, dass ich eine Realität habe, ihr eine andere, meine Frau eine dritte und so weiter. Jeder von uns hat jede Menge Meinungen, Ansichten, Glaubensätzen, Überzeugungen, Haltungen usw., die er entweder von jemandem übernommen hat
oder selbst zu diesen Entschlüssen gekommen ist. Wir sind ca. 8 Milliarden Menschen und haben somit genauso viele subjektive Wirklichkeiten. Grob gesagt ist die Realität für uns alles, an dessen Existenz wir keinen Zweifel haben. Jeder hat eine andere Sicht der Realität und in seiner Situation, von seiner Seite gesehen, auch Recht.

Das Konzept der Richtigkeit in unseren Köpfen steht in direktem Zusammenhang mit dem Konzept der Gerechtigkeit.
Zum Beispiel ist es nett und lobenswert einem Kollegen in einer schwierigen Situation zu helfen. Wenn jemand doch nicht hilft, dann handelt er falsch. Ist das die objektive Realität? Wer entscheidet das? Was meint ihr?
Handelt denn diese Person falsch und unfair? Wenn falsch, dann verdient die eine Bestrafung? Und der Kollege, dem nicht geholfen wurde, hat dann das Recht, den Täter zu bestrafen? Zum Beispiel Vergeltung zu fordern, ihm eigener Gesellschaft zu entziehen, sich im Gegenzug an ihn zu rächen. Haltet bitte eure Meinungen fest.

In der subjektiven Realität einer Person, die sich in einer schwierigen Situation befindet, gibt es beispielsweise die Idee, dass der Kollege ihm helfen sollte (Geld geben, ein Projekt übernehmen). In der subjektiven Realität des Kollegen, der zum Beispiel nicht geholfen hat, gibt es keine solchen Konzepten von der Richtigkeit und Gerechtigkeit in diese Situation, aber es gibt eventuell völlig andere Betrachtungsweisen davon.
Zum Beispiel: „Kollegen sollen einander kein Geld leihen, da das die Beziehung und Arbeitsklima verderben kann.“ Die Situation schien ihm wahrscheinlich nicht so dramatisch. Er hat auch das Projekt nicht übernommen, weil er selbst viel Arbeit hat und kann das nicht schaffen.
Hat sich jetzt eure Meinung geändert?
Meistens kennen wir nicht die ganze Situation, aber versuchen unsere Sicht der Dinge durchzusetzen und das führt zu unnötigen Konflikten, die gute Beziehungen ruinieren können. Das muss nicht sein…

Wir sehen an diesem Beispiel zwei unterschiedliche Realitäten und jeder für sich hat Recht. Genauso passiert es in unseren Leben. Was für uns falsch ist, kann für einen anderen ganz in Ordnung sein, weil er eine andere subjektive Realität hat.

Es gibt sehr viele von uns, jeder hat seine eigene Realität und gleichzeitig haben wir sie alle gemeinsam. Die objektive Realität kennen wir nicht, was bedeutet, dass jeder Mensch auf seine Weise Recht hat. Die Idee ist nicht einfach anzunehmen, aber deren Annahme kann unser Leben sehr erleichtern.
In diesem weiteren Artikel versuche ich einige Gedanken vorzustellen, die euch helfen können, mehr Gelassenheit im Leben und bessere Verständnis für sich selbst und andere Menschen zu entwickeln.

Euer Roman

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Über Roman Mendelev

vom Konflikt über Diplomatie zum Frieden
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