Gewaltfrei reden und leben

Hallo zusammen,

heute möchte ich euch ein interessantes Modell vorstellen. Es gehört zur Gewaltfreien Kommunikation (GFK) und beinhaltet auch ein Handlungskonzept, das von Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde. Dazu gibt ein interessantes Video und einige meine Gedanken zum Thema.

Rosenberg war ein amerikanischer Psychologe und war überzeugt, dass die Art und Weise unseres Redens eine entscheidende Rolle bei unserer Fähigkeit spielt, empathisch zu bleiben.

                 „Ein Konflikt ist ein tragischer Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse.“
Marshall Rosenberg

Schritte der Gewaltfreien Kommunikation sind:
1) Beobachtung
2) Gefühl
3) Bedürfnis
4) Bitte
Wie man genau die Konfliktansprache formuliert und anwendet, habe ich schon mal hier beschrieben.

Ich möchte jetzt etwas Anderes besprechen. Was mir besonders beim Modell gefällt, Rosenberg hat zwei Welten definiert, in denen wir leben und miteinander interagieren: Wolfs- und Giraffenwelt. Noch etwas vorab, ich mag die beiden Tierarten sehr und weiß, dass die Wölfe sehr klüge und soziale Tiere sind.

In der ersten sind Menschen (Wölfe), die mehr konfliktfördernde Weltsicht und Kommunikation haben. Das bedeutet, sie urteilen, vorwegnehmen, bewerten, kritisieren, fordern, vergleichen im Denken und im Sprechen. Diese Wolfswelt ist hart, es geht ums Überleben. Man muss kämpfen, sich anstrengen, Stärke zeigen, niemanden vertrauen, keine Bitten, keine Gefühle. Für den Wolf ist es schwieriger langfristig soziale Kontakte aufrechtzuerhalten. Seine Phrasen sehen oft so aus:

Alle Ossis sind …
Du kannst nicht mal…
Hör mal mir gut zu…
Sie sind hier nur zum …
Halt deinen Mund…
Wie kannst du es wagen?
Komm sofort her…
Das ist eine Frechheit…
Die sind aber blöd…

Die sind keine Unmenschen und auch ein Wolf möchte gern eigene Bedürfnisse befriedigen, aber kann die nur teilweise und nur auf diese Weise tun. Er leidet darunter selbst, aber hat in seinem Leben keine anderen Methoden gelernt das zu erreichen. Der lebt in einer Konfliktwelt und sein Denken und Umgang mit Menschen bringt immer neue.

Die zweite Welt wird von Giraffen bewohnt. Die leben nach den Prinzipien: „Ich bin OK, du bist OK“ und „Jeder hat seiner Wahrheit“. Die sind mit ihren Bedürfnissen und Gefühlen im Kontakt und äußern die auch. Sie fragen, anstatt vorwegzunehmen, sie vergleichen und urteilen nicht, verzichten auf Drohungen, sie bitten, sie beobachten, ohne zu bewerten.

Ihre Phrasen sind:
Ich bin wütend…
Ich fühle mich…
Mich stört…
Ich war enttäuscht…
Ich wünsche mir von dir, dass…
Würdest du bitte…

Es gibt ein Begriff: „Die verbindende Kommunikation“. Die Basis dafür ist vor allem Mitgefühl, Empathie. Nicht wichtig welche Worte mein Gegenüber nutzt, ich will hinter seinen Worten Gefühle, Bedürfnisse und Bitten erkennen. Wenn wir verbindend kommunizieren, kommunizieren wir in der Giraffensprache.

Ich habe schon einige Artikel gelesen, wo erzählt wird, dass die GFK in unserer Berufswelt nicht funktioniert. Es wird vorgeschlagen die Berufs- und Privatleben zu trennen. Ich kann mir das nicht so richtig vorstellen. Die Wölfe täuschen das im Job nicht vor, es ist kein Schauspiel. Sie denken wölfisch, nicht nur handeln. Sie sind im Krieg, in deren Welt heißt es: „Fressen oder gefressen werden“. Wenn die nach Hause kommen, dann können sie ihre Persönlichkeit auf Anhieb doch nicht ändern.

Ich weiß genau, dass ich in meinem Leben egal im Beruf oder privat die meiste Zeit ein Mensch / Giraffe bleiben kann. Keiner kann mich dazu zwingen ein Wolf zu sein oder zu spielen. Man muss aber die beiden Welten kennengelernt haben. Wenn jemand ein ganzes Leben lang nur in einer Welt gelebt habe, dann kennt er die andere natürlich nicht. Aber wenn er die beiden kennt, dann kann er sich für eine bewusst entscheiden und mit dieser Entscheidung leben. Ich habe in meiner Jugend mal versucht, die ganze Zeit wie ein „Wolf“ zu leben. Ich kann nur sagen, für mich war es sehr anstrengend.

Ziel der GFK ist die Bedürfniserfüllung, ohne Gewalt. Konflikte werden gewandelt, schmerzliche Kommunikation könnte verändert werden, sodass sich tiefere, verbindende Beziehungen aufbauen. Alle haben Bedürfnisse und alle versuchen die auf irgendeine Weise zu befriedigen (auch mit unserer Hilfe), wenn wir das im Hinterkopf behalten, werden unsere Beziehungen etwas klarer und konfliktfreier.

P.S. Es könnte sein, dass ich nächste Woche keinen Artikel herausbringe. Ich bin im Urlaub und werde wahrscheinlich keine Zeit dafür finden.

Euer Roman

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Über Roman Mendelev

vom Konflikt über Diplomatie zum Frieden
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