Die 9 Eskalationsstufen eines Konflikts nach Glasl

Hallo zusammen,

heute möchte ich euch ein Modell von Friedrich Glasl vorstellen. Es geht um Eskalationsstufen, die im Verlauf eines Konflikts entstehen können. In diesem Artikel sind auch ein kurzes Erklärungsvideo, ein russischer Animationsfilm aus meiner Kindheit zum Thema und ein paar Kommentare und Beispiele von mir.

Stufe 1: Spannung und Verhärtung

Die Konfliktparteien sind sich der Spannungen und Gegensätzen bewusst und bemühen sich, sie zu lösen. Die Situation ist noch harmlos, Meinungsverschiedenheiten sind alltäglich und können durch Gespräche gelöst werden.

Beispiel: eines Tages komme ich zur Arbeit und auf dem Parkplatz, wo ich immer mein Auto abstelle, steht ein neuer Kollege aus meiner Abteilung. Ich sage zu ihm: „Hallo, es ist mein Parkplatz!“ Und er antwortet: „Der ist nicht mit deinem Namen gekennzeichnet und ich brauche auch eins! Was soll ich tun?“

Stufe 2: Polarisation & Debatte

Unterschiedliche Standpunkte haben erstmal für Kreativität und Anregung gesorgt, aber jetzt wird Meinungsverschiedenheit fundamentaler, die Konfliktparteien versuchen den anderen durch rationale Argumente zu überzeugen und unter Druck zu setzen. Jeder beharrt auf seinem Standpunkt, Kompromisslosigkeit und verbale Gewalt setzen ein.

Beispiel: alle unsere Bemühungen, einen für die beiden Seiten passenden Ausweg zu finden, scheitern. Ich fordere ihn an, „meinen“ Parkplatz zu verlassen. Mein Kontrahent erwidert, dass es keine freien Parkplätze mehr gibt und er als Erster da war.

Stufe 3: Konfrontation mit Handlungen (Taten statt Worte!)

Reden hilft nicht mehr, Taten sind nötig! Die Parteien können einander mit Worten nicht mehr erreichen. Der Kontrahent wird vor vollendete Tatsachen gestellt.

Beispiel: ich versuche ihn durch Hupen von meinem Platz zu verjagen. Er lässt das Auto stehen, schließt ab und zeigt mir, dass er das Gespräch für beendet hält und gehen will.

Stufe 4: Image und Koalitionsbildung

Die Kontrahenten suchen nach Verbündeten, Parteien werden gebildet und gegeneinander manövriert. Imagekampagnen werden losgelassen und böse Gerüchte über die andere Partei verbreitet. Es geht jetzt nur darum, den Konflikt zu gewinnen.

Beispiel: meine Frau (wir arbeiten zusammen) kommt aus dem Auto, um mich zu unterstützen. Ein paar Kollegen kommen dazu und wählen eine Partei aus. Es gibt jetzt zwei Gruppen, die über einander schlecht reden.

Stufe 5: Offener Angriff und Gesichtsverlust

Alleine der Anblick des Kontrahenten erzeugt negative Gefühle. Die gegenseitigen Angriffe werden direkt und persönlich, „Schläge unter die Gürtellinie“ beginnen. Es wird versucht den Gegner bloßzustellen. Der Verlust der Moral und des gegenseitigen Vertrauens gehen mit dem Gesichtsverlust einher.

Beispiel: meine Frau schreit meinen Konfliktpartner an, ohne auf Wortwahl zu achten. Mein Konfliktpartner macht abfällige Bemerkungen über meine hierarchische Stelle in dieser Familie.

Stufe 6: Drohstrategien

Die Parteien möchten einander zum Nachgeben zwingen und sprechen Forderungen aus. Wenn diese nicht erfüllt werden, wird eine Sanktion in Aussicht gestellt, die erheblichen Schaden verursachen wird. Hier geht es darum, wer mehr Macht besitzt und somit die schlimmsten Bestrafungen durchsetzen kann.

Beispiel: ich sage meinem Kontrahenten: „Wenn du nicht sofort wegfährst, zerkratze ich dir dein Auto!“ Er antwortet: „Dann schlage ich dir deine Außenspiegel ab!“

Stufe 7: Begrenzte Vernichtungsschläge

Drohungen gehen in Aktionen über, um den Gegner an der Ausführung seiner Drohung zu hindern. Der eigene Schaden wird in Kauf genommen, wenn nur der Schaden des anderen größer ist.

Beispiel: ich schmeiße meinen Schraubenzieher in Richtung seines Autos und zerkratze es.

Stufe 8: Zersplitterung

Die Konfliktparteien zerstören Potenziale des Gegners. Das Ziel ist der Zusammenbruch des feindlichen Systems. Die Frontkämpfer werden von ihren Verbündeten und der Versorgung abgeschnürt, lebenswichtige Funktionen werden attackiert bis zur physisch-materiellen, seelisch-sozialen oder geistigen Zerstörung.

Beispiel: meine Frau versucht mein Auto zu schützen und wird zur Seite geschubst.

Stufe 9: Vernichtung und Selbstvernichtung (Gemeinsam in den Abgrund)

Die Parteien sehen keinen Weg mehr zurück, es kommt zur totalen Konfrontation der beiden Parteien. Jeder ist zum Äußersten bereit, auch wenn dies Selbstvernichtung mit sich bringt. Schäden an der Umgebung halten die Kontrahenten nicht mehr von ihrer gegenseitigen Vernichtung ab.

Beispiel: die beiden Autos werden demoliert. Es kommt Polizei, es wird ein Gerichtsverfahren eingeleitet und wir verlieren unsere Jobs.

Ich habe ein paar Fragen vorbereitet, die sich selbst, in so einem Konflikt jederzeit gestellt werden können, um weitere Eskalation zu vermeiden.

1. Will ich wirklich, dass es so weiter geht?
2. Inwieweit kontrolliere ich mich noch?
3. Tue ich das aus eigener Überzeugung oder werde ich gelenkt?
4. Sehe ich deutlich die Folgen meiner Handlungen?
5. Kann ich jetzt mögliche Nebenwirkungen meiner Handlungen richtig abschätzen?
6. Bin ich bereit die ganze Verantwortung für meine Taten und Konsequenzen zu übernehmen? Will ich das wirklich?

Wie versprochen, ein Animationsfilm „Konflikt“ (1983). Ich finde ihn sehr zum Thema Konflikteskalation passend und verständlich.

Euer Roman

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Über Roman Mendelev

vom Konflikt über Diplomatie zum Frieden
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Ein Kommentar zu Die 9 Eskalationsstufen eines Konflikts nach Glasl

  1. Karl-Peter sagt:

    Ein sehr guter Beitrag;
    sehr klar und deutlich auf die einzelnen Stufen hingewiesen.
    Auch der Abschlussfilm passt und zeigt die einzelnen Stufen
    nochmals deutlich auf.
    Top

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